Glaukom (Grüner Star)

Was ist ein Glaukom?

Ein Glaukom ist eine Erkrankung des Sehnerven, die meist chronisch verläuft und unbehandelt nach Jahren oder Jahrzehnten zur Erblindung führen kann.

Die häufigste Form ist das primäre Offenwinkelglaukom (POWG). Die eigentliche Ursache des POWG ist nicht bekannt. Beim POWG kann der Augeninnendruck erhöht oder normal sein. Ein Sekundärglaukom (z.B. Pigmentdispersionsglaukom) geht stets mit einem erhöhten Augeninnendruck einher, der dann die Ursache für die Schädigung des Sehnervens ist.

Wie erkenne ich ein chronisches Glaukom?

In den ersten Jahren gar nicht. Frühsymptome fehlen. Denn das chronische Glaukom ist schmerzfrei. Und die ersten Gesichtsfeldeinschränkungen entwickeln sich unbemerkt.

Gesichtsfeldverfall

Wie wird das Glaukom diagnostiziert?

Früheste Veränderungen finden sich an der Nervenfaserschicht des Augenhintergrunds und an der Papille des Sehnerven. Quantitative Untersuchungsergebnisse liefern die Laserscanning-Tomographie mit dem HRT, die optische Kohärenztomographie (OCT) oder das Laser-Scanning-Polarimeter (GDx).
Zusätzliche Informationen liefern die Untersuchung der vorderen Augenabschnitte (Hornhaut, Kammerwinkel, Iris und Linse), des Gesichtsfelds und die Messung des Augeninnendrucks.

Am Augenhintergrund: Nervenfasern und Papille bei Glaukom

Beginnende krankhafte Aushöhlung (Exkavation) der Sehnervenpapille und zugehörige umschriebene Ausdünnungen der Nervenfaserschicht (Pfeile)

Augenhintergrundfoto: Fortgeschrittenes Glaukom

Im Verlauf von Monaten und Jahren gehen immer mehr Nervenfasern irreversibel zugrunde. Hier ist die Sehnervenpapille fast randständig ausgehöhlt und die Nervenfaserschicht ist kaum noch sichtbar.

Augeninnendruck (intraokularer Druck = IOD) und Glaukom

Regelrechter Kammerwasserabfluß

Im gesunden Auge fließt das Kammerwasser im Kammerwinkel ungehindert aus dem Augeninneren ab. Der IOD ist niedrig.

Eingeschränkter Abfluß im Kammerwinkel

Wenn das Kammerwasser nicht mehr ungehindert abfließen kann, erhöht sich der IOD. Ursächlich ist eine Behinderung des Kammerwasserabflusses im Kammerwinkel.

 

Ein hoher IOD (> 21 mmHg) ist der wichtigste Risikofaktor für ein chronisches Glaukom. Niedrige Werte (< 21 mmHg) schließen ein Glaukom aber nicht aus. Hohe Schwankungen des IOD (über 6 mmHg im Tagesverlauf) sind ein weiterer Riskofaktor.

Weitere Risikofaktoren

Neben einem hohen Augeninnendruck, der behandelt werden kann, gibt es weitere Risikofaktoren, die nicht beeinflußbar sind:

  • Lebensalter: Ab dem 40. Lebensjahr leiden 2,4 % der Gesamtbevölkerung an einem chronischen Glaukom. Im höheren Alter nimmt die Häufigkeit auf über 7% der Altersgruppe zu.
  • Bekannte Glaukomerkrankung in der Familie (Eltern, Geschwister)
  • Hohe Kurzsichtigkeit
  • Dunkle Hautfarbe

Wie wird das Glaukom behandelt?

Bei Glaukom besteht die wirksamste Maßnahme in einer Senkung des IOD um mindestens 20 Prozent.

Eine ausreichende Senkung des IOD führt zu einer signifikanten Verlangsamung oder einem völligen Stillstand der chronischen Schädigung des Sehnervens.

Antiglaukomatöse Augentropfen senken den Augeninnendruck. Die Medikamente hemmen entweder die Kammerwasserbildung oder verbessern die Abflußleichtigkeit des Kammerwassers aus dem Auge.

Von manchen Augentropfen wird außerdem eine Verbesserung der Durchblutung (Mikrozirkulation) des Sehnervens oder ein schützender Effekt für den Sehnerven erwartet (Neuroprotektion).

Die Auswahl unter den zur Verfügung stehenden Augentropfen muß die individuelle Situation berücksichtigen: Stark oder wenig erhöhter IOD? Hinweis auf vorrangige Störung der Durchblutung (Mikrozirkulation) des Sehnervens? Blutdruckregulationsstörung? Lebensalter? Nebenwirkungsspektrum der Augentropfen?

Senken Augentropfen den IOD nicht oder nicht mehr ausreichend, sind eine Laserbehandlung oder gegebenenfalls eine Operation angezeigt.

Was können Sie tun?

Lassen Sie regelmäßig

  • Sehnervbefund,
  • Gesichtsfeldbefund und
  • Augeninnendruck

durch objektive Messungen überwachen. Denn das Glaukom kann sich verschlechtern, lange bevor man subjektiv etwas davon bemerkt.

Aktueller Standard

  • Eine Glaukom-Verlaufskontrolle nur mit Messung des Augeninnendrucks und Prüfung des Gesichtsfelds ist nicht mehr zeitgemäß. 
  • Die frühesten Veränderungen zeigen sich am Sehnerven und werden ohne Bildgebung (HRT/OCT oder Foto) übersehen.